Nachwuchs für die Eitorfer Feuerwehr

Feuerwehrmann ist mein Traumberuf!“ Seinen Helm trägt der elfjährige Alexander Rector schon jetzt mit Stolz. „Bei der Feuerwehr rettet man Leben und kann Menschen helfen.“ Auch die technische Seite interessiere ihn, sagt der Fünftklässler.

Feuerwehrschläuche aufrollen, das kann er schon. Auch wie man den Funk bedient und wer in einem Löschgruppenfahrzeug auf dem Weg zum Einsatz Platz zu nehmen hat, weiß er: „Maschinist und Truppführer vorne, an der Seite der Angriffstrupp und in der Mitte die zwei Wassertrupps.“

Gelernt hat er das alles in der Feuerwehr-AG, die erstmals in der Sekundarschule angeboten und von Lisa-Marie Buyse von der Eitorfer Feuerwehr im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes geleitet wird. Zwölf Jungen aus der Eitorfer Sekundarschule nehmen an der AG teil. Anderthalb Stunden pro Woche schlüpfen sie in den Blaumann und die Sicherheitsschuhe.

„Ein einzelnes Mosaiksteinchen“, nennt Eitorfs Erster Beigeordneter Karl Heinz Sterzenbach das Projekt, mit dem die Freiwillige Feuerwehr gestärkt werden soll. „Die ehrenamtlichen Feuerwehren verlieren landauf und landab.“ Daher habe sich die Gemeinde entschlossen, mit verschiedenen Maßnahmen die Attraktivität der Feuerwehr zu steigern. „Unser Ansatz war hier, bei den Jüngeren anzufangen“, sagt er.

Schulleiterin Marianne Engländer-Klein war für die Idee gleich zu gewinnen, eine Arbeitsgemeinschaft, deren Teilnahme Pflicht für die Schüler der Klassen 5 und 6 ist, auch für die Arbeit bei der Feuerwehr zu bilden. Anders als die anderen AGs, die nur halbjährlich laufen, ist die Feuerwehr-AG auf zwölf Monate angesetzt. „Auf dem Zeugnis wird das Engagement verzeichnet, das später sicher bei der Berufswahl eine Rolle spielen wird“, erklärt sie.

Tolles Gemeinschaftsgefühl

Von der AG, da sind sich Wehrleiter Jürgen Bensberg und Schulleiterin einig, profitieren Kinder wie Feuerwehr gleichermaßen. „Viele unserer Schüler stammen aus schwierigen Verhältnissen und haben hier endlich die Gelegenheit, ihren Meister zu zeigen“, sagt Engländer-Klein. „Sie werden in Aufgaben eingeführt, mit Sicherheitsmaßnahmen und Technik vertraut gemacht und erleben darüber hinaus noch ein tolles Gemeinschaftsgefühl.“

Die Ausbildung in der AG sei durchaus ernst zu nehmen, betont Bensberg: „Wir bilden die Kinder genauso aus wie Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Die können mit einem C-Rohr genauso umgehen wie die Großen und einen richtigen Löschangriff können sie auch schon starten!“ Mindestens die Hälfte der AG-Teilnehmer, so schätzt er, werde auch in die Jugendfeuerwehr eintreten, von der wiederum ein Teil auch in die „richtige“ Feuerwehr wechsele. Daher werbe er für die Jugendabteilung schon in den Grundschulen. „Wenn wir später anfangen, dann sind die Kinder vom Markt, weil sie schon in verschiedenen anderen Vereinen engagiert sind.“

90 Ehrenamtler hat Bensberg unter seinem Kommando, dazu kommen derzeit 20 Mitglieder bei der Jugendfeuerwehr. „Wir sind froh, wenn wir diesen Stand halten können“, sagt er. „Eitorf funktioniert am Limit.“

Um wenigstens den Status Quo halten zu können, hat Eitorf jetzt nach Hennefer Vorbild ein Aufwandsentschädigungs-System eingeführt. 2015 wird erstmals je nach absolvierten Einsätzen und Tauglichkeit am Ende des Jahres eine Geldsumme als Dankeschön ausgezahlt. Damit sollen nicht nur die Freiwilligen bei der Stange gehalten, sondern auch ermutigt werden, sich fortzubilden – und in Form zu halten. „Fitness ist oft ein Problem“, gibt Bensberg zu. „Wir haben Leute in der Truppe, die schaffen inzwischen keine Atemschutzübung mehr.“

Das neue Bonusprogramm, sagt Sterzenbach, sei ein weiteres der Mosaiksteinchen in der Bemühung, die Feuerwehr zu stärken. Vom Bau des zweiten Gerätehauses in Mühleip erhofft er sich neue Interessenten vor Ort für den anspruchsvollen Freiwilligendienst. Die werden in Zeiten verschärfter Brandschutzbedarfspläne auch benötigt.

Denn nicht nur der Nachwuchs fehlt. Es werde zunehmend problematischer, die Ehrenamtler bei einem Einsatz auch tatsächlich zur Verfügung zu haben. „Die Verfügbarkeiten nehmen ab“, sagt Bensberg. Früher habe er Alarm ausgelöst und dann geschaut, mit welchen Kollegen der Löschzug zum Brand gefahren sei. Heute seien etliche seiner Leute beruflich derart eingespannt, dass er sie nur bei wirklich großen Einsätzen überhaupt noch anfunke. „Wir müssen die Feuerwehr grundsätzlich neu überdenken“, sagt er.

(Bericht und Fotos: Sandra Ebert, Rhein-Sieg Anzeiger)